Insel im Strom der Zeit* - Joachim-Beckmann-Saal,
Johannes-Weyer-Straße, Düsseldorf-Bilk


Donnerstag, 22. September, 18.30 Uhr:
Gal 5,25 - 6,10 (Predigttext für den 15. Sonntag nach Trinitatis)


Kirchengemeinden und kirchliche Einrichtungen brauchen Öffentlichkeitsarbeit, public relation. Aber Öffentlichkeitsarbeit ist nicht alles. Mehr noch, sie ist nichts, wenn etwas anderes Entscheidendes fehlt. Öffentlichkeitsarbeit dient dazu, um bekannt zu machen, ins Gespräch zu bringen, bewusst zu machen usw. Öffentlichkeitsarbeit soll die Menschen zu einmaligen, punktuellen Aktivitäten veranlassen, also z.b Kauf- oder Wahlentscheidungen, der Besuch einer bestimmten Veranstaltung, das Einschalten einer bestimmten Sendung usw.

 

Was sie jedoch nicht bewirken kann, das ist die dauerhafte Identifikation mit der Gemeinde, Kirche oder kirchlichen Einrichtung (wobei "christlicher Glaube" so etwas ist wie dauerhafte Identifikation).

Diese kann nicht (allein) durch Öffentlichkeitsarbeit bewirkt werden. Dazu braucht es noch etwas anderes. Dazu muss die Frage gestellt werden: Hat sie eine Ausstrahlung? Was strahlt sie aus? Löst sie Resonanz aus, stößt sie auf Widerhall? Ausstrahlung und Resonanz wiederum sind ein Echo auf die Atmosphäre die dort herrscht. Welche Atmosphäre treffen wir in ihr an? Atmosphären lassen sich nicht hundertprozentig steuern, wohl aber beeinflussen. Sie stellen sich unwillkürlich ein, oder Sie lassen sich mit Hilfe geduldiger und beständiger Übung inszenieren. Inszeniert werden aber kann nur das, was wirklich da ist. Ein Hektiker kann keine Gelassenheit inszenieren und ein Melancholiker keine Begeisterung; der Versuch, solches zu tun, würde das Gegenteil bewirken und Lächerlichkeit wie peinliche Reaktionen hervorrufen. Wenn Gelassenheit, Entschlossenheit, Begeisterung, Vertrauen, Kreativität, Spontanität fehlen, wird auch die raffinierteste Öffentlichkeitsarbeit wirkungslos bleiben. Das wäre dann nur ein so tun als ob, das einem niemand abnimmt. Mit Geduld Ausdauer und Beständigkeit jedoch lassen sich Gelassenheit, Entschlossenheit, Begeisterung, Vertrauen, Kreativität, Spontanität einüben. Dies wiederum wird sich dann nachhaltig auf die Atmosphäre auswirken, die ihrerseits eine entsprechende Ausstrahlung und Resonanz bewirkt.

Atmosphäre, Ausstrahlung und Resonanz meinen wir, wenn wir von Spiritualität sprechen – oder wenn das Neue Testament vom "Geist" redet. "Wenn wir im Geist leben, so lasst uns auch im Geist wandeln", so drückt Paulus im Galaterbrief diesen Sachverhalt aus.

 

In der Insel im Strom der Zeit am kommenden Donnerstag, 18.30 Uhr, im Joachim-Beckmann-Saal, Johannes-Weyer-Straße 7 in Düsseldorf-Bilk wird der Textabschnitt betrachtet und besprochen, aus dem dieses Paulus Zitat stammt und der am kommenden Sonntag Predigttext ist (Gal 5,25 - 6,10).


* Wir sind nicht viele. Und nicht die jüngsten. Doch seit etlichen Jahren sind wir da. Verlässlich. Einmal die Woche. Zuerst, um uns dagegen zu wehren, dass unsere Kirche aufgegeben wird. Danach, als es diese nicht mehr gab, wurden wir selbst zu einer Kirche. Ein verlässlicher Ort der Gottesbegegnung, des Wortes und des Gebetes. Ein Haus aus lebendigen Steinen (1.Petrus 2,5). Oder wenigstens ein Häuschen. Wir hüten die Spar-Flamme, damit sie nicht ausgeht, klein, aber verlässlich. Damit sich irgendwann einmal an ihr kirchliches Leben entzünden kann.

 

Das tun wir ab sofort im neuen Joachim-Beckmann-Saal an der Johannes-Weyer-Straße in Düsseldorf-Bilk. Jeden Donnerstag ab 18:30 Uhr. Wir betrachten und besprechen den Bibeltext, über den am folgenden Sonntag in den evangelischen Gottesdiensten gepredigt wird. Wir halten eine Zeit der Stille. Wir zünden Kerzen an zum Gebet für die Welt, für die Kirche, für unsere Gemeinde für Menschen, die uns am Herzen liegen, für uns selbst.

 

Als der Prophet Elia, am Ende seiner Kräfte und ausgebrannt, in die Wüste ging, um zu sterben, weckte ihn der Engel Gottes behutsam, stellte ihm einen geröstetes Brot und frisches Wasser hin und sagte: Steh auf, denn du hast einen weiten Weg vor dir. Daran erinnern wir uns, weil wir selbst auf einem weiten Weg sind und teilen in Erinnerung daran Brot und Wasser, wie wir es nun seit vielen Jahren handhaben.

 

Wer uns ein Stück auf diesem Weg begleiten möchte, ist herzlich dazu eingeladen.