Die Bibel am Stück (2)

"Was sagen die Leute eigentlich so alles über mich?" 

 

Scheinbar beiläufig fragt Jesus sie, und ein wenig beiläufig antworten sie. "Och, wir haben Leute getroffen, die behaupten, du seist Johannes der Täufer. Der sei wiederauferstanden und zurückgekommen. Ich habe auch schon gehört, du seiest Elia. Aber die meisten sagen wohl, du bist einer von den Propheten."

 

"Und Ihr? Für wen haltet ihr mich? Was sagt ihr, wer ich bin?"

 

In diesem Augenblick läuft bei Petrus die kurze Zeit, in der er mit Jesus gelebt hat, wie ein Film ab. Ihm steht vor Augen mit welcher Autorität Jesus ihm und den anderen bedeutet hat, ihm zu folgen, und zwar sofort. Im fällt ein, wie er gepredigt hat, das Reich Gottes ist da, jetzt schon, sein Anbruch steht unmittelbar bevor und ist eigentlich schon im Gange. 

 

Ihm kommen etliche Geschichten in den, in denen Menschen und ihr Leben zurechtgebracht worden sind, in körperlicher, sozialer und seelischer Hinsicht. Er erinnert sich, mit welcher Souveränität er den Kirchenleuten und Theologen gegenübertritt, die damals den größten Einfluss hatten, und wie die Leute sich fragten, wer das eigentlich ist, und sie sich selber auch.

 

Jesus hat auf solche Fragen nie gewantwortet. Und er hat nicht vergessen, dass er sich selbst immer wieder gefragt hat: Wer ist dieser Mensch eigentlich? Es ist nicht einfach nur ein Prophet, schon das wäre etwas Besonderes und lange nicht mehr Dagewesenes. Aber er ist sehr viel mehr als das. Wer ist das jetzt wirklich? Könnte es nicht sein, dass er... wäre das wirklich so undenkbar? 

 

"Du bist der Christus."

 

Petrus spricht es reflexartig aus, spontan. Er fasst in Worte, was er bisher nicht einmal sich zu denken getraut hat. Jetzt, wo ihn Jesus direkt fragt, ist das alles so klar, so deutlich, so unzweifelhaft. Das war es also, was Jesus so besonders machte.

 

Der Christus, der Gesalbte, der Sohn Gottes, der König. Der Titel stand den Königen Israels zu, als es sie noch gab, was damals schon viele Jahrhunderte her war. Nach der Vorstellung der Menschen damals saßen die Könige Israels "zur Rechten Gottes", was ihre Würde und Macht erklärte, sie waren gewissermaßen die Stellvertreter Gottes, die seinen Willen auf Erden vollzogen. Und als es keine Könige mehr gab, hatten die Leute das Wort des Propheten Nathan nicht vergessen, das er einst David, dem größten der israelischen Könige gab. Das ware ihre Hoffnung, die sie von Generation zu Generation weitergaben: Einmal wird er kommen, der in Israel König sein wird. Und wenn der Gesalbte, der Sohn Gottes kommen wird, dann wird Gott selbst zurückkommen wieder herrschen

 

Und Petrus hatte sich insgeheim immer wieder gefragt: Könnte der das sein? Aber Jesus hatte darüber ja nie geredet, und hatte sich nie getraut, ihn oder die anderen daraufhin anzusprechen. Aber jetzt ist es raus. Jetzt hat er es ausgesprochen. Und Jesus widerspricht nicht. Er will nur, dass darüber Stillschweiten herrscht - aus gutem Grund, darauf kommen wir später zurück. 

 

Klar ist, Petrus und die anderen erleben gerade große Zeiten. Historische Augenblicke!

 

Und es sollte noch eindrucksvoller kommen.

 

Die Bibel am Stück 3 

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